Die Jax und die Erleuchtung…

May 06 2010 by Jakob Freund · 1 Comment

camunda macht die Bude voll

camunda macht die Bude voll

Die Jax, von der ich gerade heimfahre, ist m.E. die wichtigste Java-Konferenz in Deutschland. Auf jeden Fall ist sie die größte. Und im Rahmen der allgemeinen Ausdehnung der IT in Richtung des Business (ich nenne diesen Prozess “Technokratisierung der Unternehmen”) wird auch auf der Jax das Thema BPM immer wichtiger. So wichtig, dass unser erster Vortrag zum Thema sogar den dafür vorgesehenen Raum gesprengt hat :-) . Für unseren zweiten Vortrag wurden wir in einen deutlich größeren Raum verlegt, der aber auch nur knapp ausgereicht hat…

Kein Wunder, denn in den beiden Vorträgen ging es darum, wie man BPMN in der Praxis für das Business-IT-Alignment einsetzt. Dass wir das wollen ist ein alter Hut, aber wie es konkret funktioniert, das wird noch lange ein heißes Thema bleiben. Allzumal auch wir ja mit jedem Projekt neu dazu lernen. Und so konnten wir generell, aber auch konkret am Beispiel der 1&1, die neuesten Erfahrungen und Tipps weitergeben.

Die Folien zu den Vorträgen:

BPMN: Lasst uns zum “Slope of Enlightenment” springen!

Plateau statt Hype...

Plateau statt Hype...

Besonders spannend war auch die danach stattfindende vergleichende Darstellung von SOPERA, Oracle und SAP in Bezug auf ihre BPMN 2.0 – Strategie. Während SOPERA hier, auf intalio aufbauend, zumindest am heutigen Tage zu BPMN 2.0 noch nicht viel sagen konnte, war das bei den anderen beiden ganz anders. Oracle hat die BPEL-Engine auf BPMN 2.0 “umgerüstet” oder “erweitert” (wie man’s nimmt ;-) ), und SAP hat sie, wenn ich es richtig verstanden habe, ganz neu entwickelt. Ich fand alle drei Vorträge klasse, weil sie ganz konkret gezeigt haben, wie die Produkte funktionieren. Nicht das typische Gelaber von der heilen Welt, in der das Business dank Zero Code plötzlich die bösen Techies los wird. Obwohl alle drei Vendors eine gewisse Zero-Code-Tendenz hatten, der wir ja erfahrungsbedingt sehr skeptisch gegenüber stehen. Aber gerade der Vortrag von Volker Stiehl (SAP) war super, man hat richtig gemerkt, wie grundlegend Volker die BPMN begriffen und in seinen Beispielen angewandt hat, und mit wieviel Herzblut er die neue Composition Environment begleitet. Auf meine nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob denn die neue Engine in ABAP programmiert wäre, wäre er fast an die Decke gesprungen: “Nein! Nein! Alles Java! Komplett!”. Das ist Leidenschaft, wie ich sie mir von Vendors wünsche :-)

Diese Vorträge, aber auch die qualifizierten Fragen und Dialoge aus dem Publikum (“Nein nein, das Termination Event, nicht das End Event!”), haben mir Hoffnung gemacht: BPMN wird inzwischen immer tiefgreifender verstanden, und die Vendors haben zumindest heute auch nicht versprochen, dass sie die Silver Bullet wäre. BPMN kann nicht alles lösen, und die Anwendung von BPMN ist mit viel Arbeit verbunden. Aber wenn dies erkannt und getan wird, ist das Leben mit BPMN wesentlich besser als ohne. Diese Einsicht ist der “Slope of Enlightenment”, der im Gartner Cycle im positiven Fall nach der Desillusionierung folgt. Meine persönliche Hoffnung ist, dass wir BPMN vom aktuellen Hype Status möglichst schadlos zu diesem Slope transportieren, denn die Notation sollte auf keinen Fall den Tod der enttäuschten Erwartungen sterben. Und, ja, es fehlt noch eine Menge in der BPMN, was wir für das Business-IT-Alignment brauchen – aber derzeit sind wir auf einem sehr guten Weg, allen Unkenrufen (“zu techie-lastig!”) zum trotz.

Fuchs, Du hast die Gans gestohlen…

Dr. Frankenstein erweckt sein Monster...

Dr. Frankenstein erweckt sein Monster...

Für Bernd war es eine ganz persönliche Freude, unseren Beitrag zu dieser Vision vorstellen bzw. ankündigen zu können: Wir haben angefangen unsere Erfahrungen und Ideen, die wir ja teilweise in unserem BPMN-Buch dargestellt haben, in eine quelloffene BPM-Plattform zu überführen. Wir nennen die Plattform “camunda fox”, und mehr will ich jetzt auch gar nicht dazu verraten. Denn zum Einen wollte Bernd in Kürze darüber bloggen, und zum Zweiten liegt mir das Thema zu sehr am Herzen, als dass ich es jetzt während der ICE-Fahrt so aus dem Ärmel schütteln will. Nur soviel: Das Ganze ist kein Produkt im stillen Kämmerlein, das hoffentlich eines Tages den Praxistest bestehen wird. Sondern im Gegenteil, wir entwickeln es direkt aus unseren bisherigen, aktuellen und zukünftigen Kundenprojekten heraus. Das finde ich sehr wichtig.

Also, stay tuned… ;)

1 Kommentar zu Die Jax und die Erleuchtung…

  1. Ach ja, Jakob hat die JAX natürlich voll auf den BPM Day reduziert ;-)
    So wichtig der ist gibt es ja auch noch 2 weitere Konferenztage. Und am ersten habe ich übrigens über den JBoss ESB gesprochen. Auch dazu gibts die Folien online:

    http://www.slideshare.net/camunda/20100504-jax-jboss-esb

    Eher etwas kritisch angehaucht (Grundaussage: JBoss ESB ist ne gute Basis und kann einem auf jeden Fall einige Probleme abnehmen, aber auch nicht die Weltformel. Man muss projektspezifisch schon noch einiges selbst machen. Trotzdem allemal besser als bei 0 anzufangen!) hat mich vor allem überrascht, das ich darauf explizites Feedback bekommen habe: “Schön, dass auch mal nicht nur der Eindruck der heilen Welt vermittelt wird”. Schade, dass dies wohl in vielen Vorträgen so ist…

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