Die Zukunft von jBPM

March 28 2010 by Bernd Rücker · 8 Comments

Wer mich in den letzten Wochen gefragt hat, welche jBPM Version er am besten für das aktuelle Projekt einsetzen solle, hat mich etwas rumdrucksen erlebt. Denn ich wusste zwar schon ein paar Neuigkeiten, aber leider mit dem dazugehörigen Maulkorb. Jetzt ist es aber zumindest in Teilen schon mal raus: Tom Baeyens und Joram Barrez verlassen das jBPM Team. Der neue Project Lead Alejandro Guizar hat dies in einem offenen Brief an die jBPM Community veröffentlicht. Die letzten Wochen war dann auch noch unklar, wie die genaue Strategie seitens JBoss aussieht.

Alejandro schreibt, dass JBoss die Weiterentwicklung von jBPM 4 trotzdem vorantreiben will. Ehrlicherweise gibt er aber auch zu, dass die aktuellen Releases nun erst mal verzögert werden, da erst Ersatz für die Beiden gefunden werden muss. Betrachtet man nun den aktuellen Stand von jBPM und vor allem der eigenen Sprache jPDL 4, so erkennt man schnell, dass die Sprache noch nicht so viel leisten kann wie jPDL 3. Zwar sind einige internen Aspekte der Engine deutlich verbessert worden, für mich bedeutet dies jedoch, dass ich kurzfristig eher jBPM 3 als jBPM 4 im Projekt einsetzen würde. Die Version 3 ist inzwischen ausgereift und in großen Projekten im Einsatz, so dass hier wenig Überraschungen und – zur Jahreszeit passend – “Ostereier” zu erwarten sind. Support von JBoss ist verfügbar – und damit gibt es auch garantiert noch einige Jahre Support und Bugfixes. jBPM 3 wird also nicht morgen verschwinden (können).

Anders verhält es sich mit BPMN 2.0. Eine BPMN 2.0 Engine halte ich definitiv für spannend. Die Version aus jBPM 4.3, die ich ja mit ins Leben gerufen habe, legt zwar gute Grundlagen, ist aber eben leider noch nicht fertig und auch heute noch nicht produktiv einsetzbar. Und in der neuen Situation für das jBPM-Team ist ein rasanter Projektfortschritt auch nicht zu erwarten. Weiterhin gibt es in der Ecke ja übrigens auch noch die beliebte Frage, was im jBPM Projekt und was in Drools Flow abgewickelt wird, dort gibt es ebenfalls Ansätze zu einer BPMN 2.0 Engine, die aber auch noch nicht fertig ist und eigentlich seitens JBoss nicht offiziell vorangetrieben wird.

Man sieht es bereits, dass es hier mehrere Initiativen für Open Source BPMN Engines gibt. Wir sind aktuell noch an einer weiteren mit dran, aber leider darf hier noch nicht viel erzählt werden. Aus heutiger Sicht bin ich mir jedoch eines relativ sicher: Es wird spätestens zum Jahresende eine einsetzbare Open Source BPMN 2.0 Engine geben! Und das ist auch gut so :-) Wer die Engine baut, wo die Unterschiede liegen, welche Open Source Lizenz eingesetzt wird, wer den Support leistet und so weiter wird sich natürlich noch zeigen, genügend Details also, die Unterscheidungsmerkmale ermöglichen. Trotzdem wird natürlich die standardisierte BPMN 2.0 eine Austauschbarkeit vereinfachen.

Aus meiner Sicht wird damit auch die Frage der Engine an sich unspannender, wobei wir Open Source dabei natürlich wichtig finden (warum habe ich bereits hier einmal angerissen). Wie schon ein Bekannter bei einem großen Hersteller jüngst sagte: Die Engine tickt irgendwo im Hintergrund, die haben wir schon Jahre nicht mehr angefasst. In meinen Worten: Was ist schon die Engine – ein einfacher Zustandsautomat im Hintergrund ;-)

Wir merken das übrigens auch: Die meisten Projekte drehen sich bei uns aktuell um das Business-IT-Alignment. Also eher die Frage: Wie komme ich zum technischen Modell? Verknüpfe ich das mit dem fachlichen Modell? Wenn ja – wie? Und was können hier die Tools? Diese Fragen sind eine Stufe über der puren Engine. Hier sind wir dann ja auch gerade selbst daran unsere vorgeschlagene Methodik in ein Tooling zu gießen (siehe camunda stellt standardbasierte Methodik für das Business-IT-Alignment von Prozessen vor). In einem aktuellen Pilotprojekt tun wir dies mit jBPM 3, in einem Prototypen validieren wir das Vorgehen aber auch stetig mit BPMN 2.0. Für unsere Kunden nimmt dies nicht zuletzt auch ein Stück Risiko aus der Frage: Welche jBPM nehm ich denn nun?

Ansonsten halte ich alle natürlich gerne hier auf dem Laufenden, sobald es etwas neues gibt und ich es auch erzählen darf. Sollten Sie ein konkretes Projekt auf der Pfanne haben so sprechen Sie uns doch einfach einmal an, bisher konnten wir unseren Kunden dann eigentlich immer ganz gut eine Richtungsempfehlung mitgeben, auch wenn wir (noch) nicht alles erzählen dürfen…

8 Kommentare zu Die Zukunft von jBPM

  1. Danke für den Hinweis, dass es nicht immer die beste Idee ist, auf die neueste Version zu setzen – kommt für uns gerade richtig :-)

  2. Hallo zusammen.

    Also ein paar zusätzliche Infos zum neuen Projekt einer Open Source BPMN 2.0 Engine gibt es jetzt auch von Tom schon mal, was ich auch bereits – vorsichtiger formuliert – angedeutet habe. Hier der Link: http://processdevelopments.blogspot.com/2010/03/alive-and-kicking.html.

    Schöne Grüße
    Bernd

  3. [...] moves in the area of jBPM recently! Starting with Tom and Joram leaving the jBPM core team (see Die Zukunft von jBPM) to develop a new engine (see Alive and kicking). And yesterday – after being quite for a [...]

  4. Hallo Herr Rücker,

    wie schätzen Sie denn die Unterstützung von BPMN 1.2 in jBPM 4.3 ein? Ich schreibe zu dem Thema gerade eine Master-Thesis und überlege, welche Version der BPMN ich genau untersuche.

    Viele Grüße,
    Marco

  5. Hallo Marco.

    Geht es um die Ausführbarkeit? Dann dreht es sich aber um BPMN 2.0 in jBPM 4.3. Das ist auf jeden Fall schon vorhanden, aber auch nicht fertig. Aber ein bisschen kann man schon auf jeden Fall damit rumspielen!

    Oder geht es um die jPDL-Variante, die BPMN zur Visualisierung im Eclipse-Designer verwendet? Das ist leider momentan noch sehr rudimentär, eigentlich gibt es nur Tasks, XOR- und AND-Gateway und Start- und Endstate. Mehr wars glaube ich nicht (Timer gibt es zwar, können aber nicht visualisiert werden).

    Grüße
    Bernd

  6. Danke für ihre schnelle Antwort.
    Es geht vor allem um die Ausführung. Ich möchte untersuchen inwiefern sich die BPMN eignet, die Schnittstelle zwischen fachlichen Prozessdesignern und Entwicklern zu verbessern. Insbesondere will ich herausfinden ob fachlich beschriebene Modelle von beiden Seiten nutzbar sind: Fachanwender (z.B. Sachbearbeiter) kann sie lesen und Entwickler kann sie zur Ausführung nutzen.

    Nun frage ich mich, ob ich BPMN 2.0 untersuchen und jBPM als Workflow-Engine nutzen kann oder ob ich eine andere BPMN-Version bzw. eine andere Workflow-Engine (z.B. Drools Flow?) nutzen sollte. Mein Thema habe ich mittlerweile so abstrakt formuliert, dass auch eine andere Engine möglich ist.

    Grüße,
    Marco

  7. Ich will ja kein Eigenlob betreiben, aber der Frage haben wir uns auch in unserem “Praxishandbuch BPMN” gewidmet, kann ich also empfehlen :-) Übrigens geht es bei Ausführbarkeit dann eigentlich immer um BPMN 2.0 nicht 1.2.

    Ansonsten würde ich am ehesten jBPM dafür nehmen, aber es ist wohl reichlich egal. Für die Frage sind finde ich andere Aspekte entscheidender. In einem aktuellen Projekt machen wir zum Beispiel gar ein Mapping nach jPDL 3 (aus einem BPMN 2.0 Modell), da die Engine ausgereift ist. Auch das funktioniert recht gut und zusammen mit der im Buch beschriebenen Methodik sind wir da schon ganz happy was das Business-IT-Alignment angeht.

  8. Ich hatte eh überlegt, mir das Buch zu bestellen, da es hier in der Bibliothek leider verliehen ist.
    Das werde ich dann wohl mal tun. Danke für die Hinweise =)

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