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BPMN in 2009: Ein Resümee

Buch, Vorträge, Projekte, Seminare und ein Webinar: Mein 4. Quartal stand 150%ig im Zeichen von BPMN. Ein paar Termine habe ich noch, aber das Gröbste ist geschafft für dieses Jahr. Zeit für ein Resümee.

Es ist toll mitanzuschauen, wie die BPMN-Rakete abhebt. Tatsächlich haben wir in diesem Jahr über 30 Firmen an BPMN herangeführt (einige Referenzen).

BPMN vergeigenAber kaum ist die erste Hürde geschafft, stehen wir vor der Zweiten: Knapp die Hälfte unserer Trainings und Workshops haben wir in 2009 bei IT-Dienstleistern gemacht, z.T. sogar bei Wettbewerbern von uns. Warum? Damit sich der Standard weiter verbreitet, und BPMN “richtig” verstanden wird. Denn hier liegt die große Gefahr: Dass man glaubt, mit BPMN könnte man ganz easy das “Business-IT-Alignment” erreichen. Das stimmt nicht, und wer mit dieser Haltung ins Projekt geht, wird scheitern. Ich glaube heute bereits eine Handvoll Firmen nennen zu können, die in den nächsten zwei Jahren große, teure und relativ erfolglose BPM(N)-Projekte durchführen werden.

Was wird passieren: BPMN wird ähnlich wie SOA als Marketing-Buzzword-Augenwischerei diskreditiert und verworfen werden. Das Thema ist dann in solchen Firmen verbrannt.

Rollengerechte Modelle

Rollengerechte Modelle

Der Weg vom fachlichen zum technischen Prozessmodell ist schwierig, und impliziert sehr viel mehr als die Frage, wann welche Symbole zu verwenden sind. Wir müssen akzeptieren, dass es nicht “das Business” und “die IT” gibt, sondern sich in diesen Fraktionen ganz verschiedene Rollen, Kompetenzen und Erwartungen in Bezug auf Prozessmodelle verbergen. Wir müssen akzeptieren, dass wir verschiedene Prozessmodelle brauchen, auch wenn diese alle auf BPMN basieren.

Für BPMN gilt dasselbe Prinzip wie für die deutsche Sprache: Wir können mit verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich kommunizieren. Die BPMN ist für “das Business” genauso gut geeignet wie die deutsche Sprache: Nämlich abhängig davon, wie ich sie als “Sender”, also Prozessmodellierer, verwende.

BPMN braucht ein Framework

BPMN braucht ein Framework

Ich bin sehr glücklich, dass die Teilnehmer in unseren Seminaren dieses Verständnis fast immer sehr schnell entwickeln. Am Ende steht die Erkenntnis, dass weder die BPMN als Notation noch ein BPMN-Tool allein ausreichen, um erfolgreich Prozesse zu modellieren. Was man zusätzlich braucht, ist ein methodisches Framework, bestehend aus abgestuften Symbolpaletten, vordefinierten Mustern für bestimmte Sachverhalte und Guidelines, wann z.B. mit Pools und wann mit Lanes modelliert werden soll. Dieses Framework muss nicht zwingend im Vorfeld auf theoretischer Ebene entwickelt werden, sondern kann auch iterativ mit der praktischen Arbeit aufgebaut werden. Aber es muss jemanden geben, der sich darum kümmert.

Außerdem bin ich glücklich, dass unsere Teilnehmer die Mächtigkeit der BPMN am Ende es Kurses fast immer zu schätzen wissen, und nicht von ihr eingeschüchtert sind. Und dass sie die Basisprinzipien begreifen, nach denen BPMN funktioniert, nämlich den Prinzipien der Prozessautomatisierung.

Natürlich gibt es auch diverse negative Erfahrungen, dass Menschen die BPMN ablehnen, weil sie die Notation zu kompliziert oder zu technisch finden. Ich habe gelernt, dass das sehr stark davon abhängt, wie gut ich die Notation erkläre. Ich muss gestehen, dass dieser didaktische Aspekt vor einem Jahr leider noch zu kurz kam. Aber irgendwann kommt auch der Punkt wo ich eingestehen muss, dass die BPMN als Werkzeugkasten auch wirklich nicht für Jeden geeignet ist: Wer Prozesse modelliert, muss sehr stark analytisch veranlagt sein. Bei einer rein fachlichen Modellierung ist das vielleicht nicht zwingend erforderlich, aber definitiv, wenn es um Business-IT-Alignment geht. Das gilt im Prinzip ganz unabhängig von der BPMN, aber hier wird diese Voraussetzung offensichtlich. Die Leser solcher Modelle müssen übrigens nicht zwangsläufig Analytiker sein, die eigentliche Herausforderung liegt bei den Menschen, die die Modelle erstellen.

Ich hoffe das klingt jetzt nicht zu negativ, aber ehrlich gesagt glaube ich Folgendes:

BPMN wird für analytisch veranlagte Menschen zu einem mächtigen Werkzeug in IT-Projekten, das gilt sowohl für “das Business” als auch für “die IT”. Wer diese Veranlagung nicht mitbringt, wird das Potential der BPMN nicht wirklich nutzen können. Für mich ist das ein weiteres Argument für “Führungstandems” in BPM-Projekten, bestehend aus einem Projektleiter einerseits, und einem Process Analyst andererseits. Denn eine Person, die beide Stärken kombiniert, ist extrem selten anzutreffen.

Was ist also mein Resümee für 2009: Es ist positiv, dass soviele Firmen jetzt wirklich anfangen, mit BPMN zu arbeiten. Ich bin aber auch in Sorge, dass ein unbedachter Einstieg zu enttäuschten Erwartungen führt.

Mein Angebot an solche Firmen ist, sie bei den ersten Schritten zu unterstützen: Kompakte Initialschulung zur BPMN, gemeinsame Prozessmodellierung, kontinuierliches Reviewing der Modelle und Coaching desjenigen, der die “BPMN-Governance” verantwortet. Das Ganze auf Basis des BPMN-Tools, für das man sich entschieden hat, oder Unterstützung bei der Auswahl des Tools (aber Achtung: wir sind zwar unabhängig, aber nicht mehr völlig neutral).

camunda BPMN-Framework

camunda BPMN-Framework

Methodisch haben wir ein BPMN-Framework entwickelt, das in unserem BPMN-Buch beschrieben wird. Aber auch das ist nicht der Weisheit letzter Schluss, es geht am Ende darum, dass eine Firma selbst in der Lage sein muss, ihr BPMN-Framework zu entwickeln und zu pflegen. Unser Framework kann dafür als Inspiration und Ausgangspunkt dienen.

Keine Frage: Wir wollen Geld verdienen. Aber es geht tatsächlich auch darum, Firmen dabei zu helfen, mit BPMN erfolgreich zu sein. Denn nur dann wird sich der Standard bewähren und weiter verbreiten, und das ist auch für uns sehr wichtig.

Insofern würde ich mich freuen, wenn der eine oder andere das Angebot wahrnähme, und gemeinsam mit uns sein nächstes BPM/SOA-Projekt mit Hilfe der BPMN durchführen würde.


Bei Interesse sprechen Sie mich bitte an.

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