BPM und die Cebit
March 07 2009 by Jakob Freund · Leave a reply
Am Freitag (07.03.) war ich für ein paar Stunden auf der Cebit. Das ist ja eine ganz gute Gelegenheit, sich die neuen Entwicklungen bei den BPM-Softwareprodukten vorführen zu lassen. Dachte ich mir. War aber gar nicht so einfach…
Zunächst mal ärgerlich ist es, dass es noch immer keinen zentralen Sammelpunkt für BPM-Lösungen gibt (bzw. dass es ihn zwar gibt, er aber anscheinend zu teuer oder sonstwie ungeeignet ist). Die Anbieter sind stattdessen über 5-6 Hallen verteilt, weshalb man sich im Vorfeld komplexer Weg-Optimierungsalgorithmen bedienen muss, um nicht mehr Zeit mit Laufen als mit Gesprächen zu verbringen. Außerdem sind viele interessante Anbieter auch gar nicht (mehr) auf der Cebit vertreten. Andere fahren nur hin, damit sich nicht gleich Gerüchte entwickeln, dass sie sich einen Cebit-Auftritt wohl wegen schlechter Geschäfte nicht mehr leisten könnten. Albern, aber wahr. Die Krönung habe ich allerdings bei der groß angekündigten Präsentation der intalio Business Edition erlebt (siehe Pressemitteilung).
Vom intalio-CEO Ismael Ghalimi ist man ja schon eine gewisse Euphorie bei der Beschreibung der eigenen Erfolge gewöhnt. Das ist eigentlich auch völlig in Ordnung. Und ich glaube auch, dass er durchaus weiß, wovon er spricht bzw. bloggt. Umso gespannter war ich natürlich auf die o.g. Lösung, mit der laut Ismael nun endlich auch die “Business People” auf einfachste Weise ihre Prozesse selbst anpassen können. Genau genommen war das sogar der eigentliche Grund für den Zwischenstopp in Hannover. Und was passiert? Am Stand angekommen (ich hatte extra einen Termin vereinbart), erfahre ich, dass intalio die Business Edition noch nicht freigegeben hätte, und es deshalb auch nichts zum Präsentieren gibt. Na toll. Sowas kann zwar immer passieren, auch wenn ich mir natürlich gewünscht hätte, dass man dann auch den Termin im Vorfeld cancelt.
Aber es ist auch ein schönes Beispiel für ein ausgesprochen “proaktives” Marketing, das leider sehr häufig betrieben wird. Ein Spiel, das am Ende alle Anbieter mitspielen müssen, damit sie überhaupt noch im Markt wahrgenommen werden. Das Ergebnis sind häufig enttäuschte und deshalb grundsätzlich misstrauische Anwender. Und irgendwann heißt es dann “BPM (oder SOA oder XYZ) ist tot, bitte die nächste Sau durchs Dorf treiben!”. Wem hilft das?

